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IMPLICONplus 09 2009:
Zukunft der Gesundheitsversorgung – Leistungskatalog Elementar+ von Axel Olaf Kern

Textauszug:
Situation: Zweiklassenmedizin, welch treffender Begriff! Selbstzahler, vulgo Privatpatienten, leiden unter Übertherapie, die mitunter sogar als schädlich bezeichnet wird und mit der Aussage beschrieben wird: „hoffentlich Kassenpatient, weil dann der Chef nicht operiert und der Oberarzt sowieso viel mehr Routine hat“. In Hinblick auf die Finanzierungsseite in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wird ein für alle GKV-Versicherten gleich hoher Beitrag (Kopfpauschale) als Sinnbild für den Einstieg in die Zweiklassenmedizin bezeichnet. Der Direktor zahlt dann ebensoviel Krankenkassenbeitrag wie sein Fahrer, da auch beide im Krankheitsfalle denselben, gesetzlich garantierten Anspruch auf die Leistungen in der GKV haben. Der Preis für Brot wird auch nicht einkommensabhängig bestimmt. Allerdings können bei Brot die Nachfrager zwischen verschiedenen Sorten wählen und so auch entsprechend ihres Einkommens einkaufen. Gleichwohl muss dies nicht bedeuten, dass jemand mit geringerem Einkommen billiges Brot essen muss. Vielmehr kann jemand auch zugunsten höherwertigen, teureren Brotes auf andere Dinge verzichten. Wenn - wie bei Gesundheit - aus gesellschaftlicher Sicht ein gewisses Versorgungsniveau sichergestellt sein soll, müssen diejenigen Personen, welche auf Grund zu geringer Eigenmittel nicht kaufen könnten, einen Ausgleich erfahren. Und so wird es wie in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) in der Schweiz ein Ausgleich aus Steuermitteln für diejenigen Versicherten geben, deren Belastung durch die Versicherungsbeiträge zu hoch ist. Dabei werden die Steuermittel maßgeblich von den Beziehern höherer Einkommen und auch von Unternehmen erbracht, womit ein Solidarausgleich über das Steuer-Transfer-System sichergestellt wird. Die Ausgestaltung dieses Steuerausgleichs ist deshalb von besonderem Interesse und in der aktuellen Diskussion in Deutschland bei weitem noch nicht klar.

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