<< zurück zur Übersicht


IMPLICON 07 2015:
Meilenstein Pflegereform – Was taugt das Pflegestärkungsgesetz II?

Textauszug:
Es ist die weitreichendste Reform der Pflegeversicherung seit ihrer Einführung vor 20 Jahren: Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz sollen die Pflege­ver­sicherung und die pflegerische Versorgung durch einen neuen Pflege­bedürf­tig­keits­begriff und ein neues Begutachtungs-Assessment (NBA) auf eine neue pflegefachliche Grundlage gestellt werden. Der bislang ganz überwiegend so­ma­tisch begründete Pflegebegriff wird deutlich erweitert und erfasst nun auch kog­nitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Pro­blem­lagen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte. Die bisher drei Pflegestufen werden durch fünf Pflegegrade abgelöst, bei der Umstellung bereits anerkannter Pflegebedürftigkeit soll niemand schlechter gestellt werden – ganz überwiegend ist aber mit Leistungsverbesserungen zu rechnen. Dazu wird der Beitragssatz um 0,2 Punkte auf 2,55 Prozent angehoben. Das bringt Mehreinnahmen von rund 2,7 Milliarden Euro. Dem stehen laufende Mehrausgaben von rund 2,5 Milliarden und einmalige Mehrausgaben von 4,8 Milliarden Euro gegenüber. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass dies mit mehr und intensiveren Pflegeleistungen, insbesondere für demenzkranke Patienten verbunden ist. Die Realisierung ist aber abhängig davon, ob dafür überhaupt hinreichendes Personal vorhanden ist. Der Arbeitsmarkt für Pflegefachkräfte ist leergefegt. Auf drei offene Stellen kommt nur ein Angebot. Damit könnte sich die Pflegereform als großes, aber inhaltsleeres Versprechen erweisen.

Dieses PDF steht registrierten Abonnenten zum Download zur Verfügung.