<< zurück zur Übersicht


IMPLICON 06 2011:
Eine Ordnung für die Spezialmedizin

Textauszug:
Mit der Schaffung eines neuen ambulanten spezialärztlichen Sektors reagiert der Gesetzgeber auf eine durch den medizinischen Fortschritt möglich gewordene dynamische Entwicklung: in den vergangenen Jahrzehnten sind immer mehr hochkomplexe medizinische Leistungen möglich geworden, die nicht mehr eine Hospitalisierung der Patienten erfordern. Das wertmäßige Leistungsvolumen wird vom GKV-Spitzenverband mit vier bis fünf Milliarden Euro angegeben – Tendenz steigend. An der Leistungserbringung sind Krankenhäuser und spezialisierte Vertragsärzte gleichermaßen beteiligt – allerdings zu unterschiedlichen Konditionen, also in einem nicht konsistenten Ordnungsrahmen. Den versucht der Gesetzgeber nun mit einer kompletten Neufassung von Paragraf 116b für Krankenhäuser und Vertragsärzte zu harmonisieren. Die Komplexität der Krankheiten und der Leistungserbringung bedingt allerdings, dass dieser neue Ordnungsrahmen schrittweise über mehrere Jahre hinweg entstehen wird. Schon im Vorfeld der jetzt anstehenden Gesetzesberatungen werden gegenläufige Interessen sichtbar: die übergreifenden fachärztlichen Berufsverbände lehnen die Reform ab, Spezialistenverbände wie die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen befürworten die Neuordnung unter bestimmten Bedingungen, für die KBV und wohl auch die meisten KVen ist hingegen schwer zu akzeptieren, dass sie für diesen neuen Leistungssektor fast alle Organisationsmacht verlieren. Der GKVSpitzenverband befürwortet das Modell, stellt aber zusätzliche Forderungen, etwa auch Selektivverträge abschließen zu können. Eine zentrale Rolle spielt der Gemeinsame Bundesausschuss, der die Teilnahmeregelungen in Richtlinien definieren muss.

Dieses PDF steht registrierten Abonnenten zum Download zur Verfügung.