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IMPLICON 07 2009:
Ärger, Neid und Unzufriedenheit - Eine erste Bilanz der Vergütungsreform

Textauszug:
Die ambulante ärztliche Versorgung in Deutschland wird deutlich teurer als geplant. Nicht 30,4 Milliarden Euro, wie noch im Februar prognostiziert, werden die 140 000 Vertragsärzte und -psychotherapeuten einnehmen, sondern voraussichtlich mehr als 31 Milliarden Euro. Nach vorläufigen und noch unvollständigen Abrechnungen des ersten Quartals 2009 mit dem neuen Vergütungssystem ergibt sich ein Zuwachs von acht Prozent und ohne die KVen Hamburg und Schleswig-Holstein ein absolutes Plus von 478 Millionen Euro. Aber immer noch sieht die KBV eine Unterdeckung der Finanzierung. „Es reicht einfach nicht“, klagt der Vorstand der KV Nordrhein und rechnet sich ein Defizit von 40,4 Millionen Euro aus. Die KV Hessen – hier beträgt der Zuwachs sechs Prozent – kommt auf ein „strukturelles Minus“ von noch 25 Prozent. Angesichts solcher Kommentierungen des ersten Quartalsergebnisses mit einem Vergütungssystem, das den Vertragsärzten einen „historisch einmaligen Zuwachs“ (KBV-Vorsitzender Dr. Andreas Köhler) gebracht hat, geraten die Funktionäre in den Verdacht der Maßlosigkeit. Die Unzufriedenheit vieler Ärzte hat aber auch einen realen Grund: Die Reform hat teils extreme und überraschende Umverteilungswirkungen erzeugt: in der KV Berlin ein Plus von 32,2 Prozent, bei Kardiologen einen Zuwachs von 21 Prozent, aus dem Ruder laufende Ausgaben für Akupunktur, Richtlinien-Psychotherapie oder dringende Besuche. Auf der anderen Seite stehen die Verlierer, zu denen 61 Prozent der baden-württembergischen Ärzte gehören, die mehr als fünf Prozent Umsatzrückgang verzeichnen.

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